Statistisch gesehen kommt das Hochwasser im Frühling und im Herbst. Doch die Wetterkapriolen lassen das nicht mehr genau vorhersagen. Wie Sie sich darauf vorbereiten können, was einen guten Hochwasser Schutz ausmacht und was Sie im Katastrophenfall unbedingt beachten sollten, erfahren Sie jetzt.

Bei großen Hochwasserkatastrophen können die Helfer nicht überall gleichzeitig tätig sein. Das heißt, Sie müssen Ihren Besitz selbst in Sicherheit bringen. Doch als Erstes bedrohen die Wassermassen Ihr eigenes Anwesen – jetzt ist mentale Stärke gefragt. Bevor auch noch Ihr Inventar in Gefahr geraten kann, sollte Sie es von außen schützen.

Ihr »eigener« Damm

Eine gute Möglichkeit hierfür ist der Bau Ihres eigenen Dammes, der wie ein »Rammbock« gegen das Hochwasser wirken soll. Dazu brauchen Sie zunächst Sandsäcke. Die Kosten dafür schwanken beträchtlich: von 1 € pro Jute-Sandsack bis zu 5 €.

Mein Tipp: Lassen Sie sich von der Feuerwehr oder dem THW beraten. Die weiß auch, wo man kostengünstige und gute Säcke erhält.

Zunächst sollten Sie Ihre Lichtschächte, Eingänge und die Kellerfenster mit Sandsäcken abdichten. Bringen Sie dann Ihre Wertgegenstände und teure Anschaffungen in höher gelegene Stockwerke. Ist diese »Grundabsicherung« geschehen, sollte Sie sich auf Ihren eigenen kleinen Damm konzentrieren: Es versteht sich von selbst, dass dieser auch auf der Seite gebaut werden muss, an der das Wasser ankommen wird. Doch er sollte nicht zu nahe an den Gebäudewänden errichtet werden, weil das Gewicht der Sandsäcke die Hausstruktur beeinträchtigen oder sogar beschädigen kann.

Mein Rat: Beachten Sie bitte beim Befüllen der Säcke, dass sie nur so vollgemacht werden, um sie oben noch richtig zubinden zu können.

Der Standort der Säcke ist ebenfalls wichtig. Rutschige Blätter, Äste oder Kies sollten vom Lageplatz entfernt werden. Gerade die Reibung zwischen Boden und Säcken halten diese nämlich an der Stelle. Muss der Damm höher als ein Meter sein, sollten Sie zuerst ein 15 Zentimeter tiefen und 60 Zentimeter breiten Graben ausheben, in den dann eine Sackreihe gelegt wird. Darauf dann die restlichen Säcke stapeln. Das erhöht die Stabilität.

Hochwasser Schutz: So basteln Sie »Ersatz-Sandsäcke«

Bei einer größeren Hochwasser-Katastrophe kann es durchaus sein, dass Sie keine Sandsäcke mehr kaufen können. Diese können Sie durch befüllte Kissenbezüge, zusammengebundene Shirts, Pullover, Hosen und Socken notdürftig ersetzen.

Mein Tipp: Für den Dammbau können Sie auch alte Möbel, Schutt oder Steine benutzen.

Sie haben keine Sandsäcke zur Verfügung? So gelingt der Hochwasser Schutz trotzdem:

So schützen Sie sich selbst vor den Fluten

Auch wenn Sie Ihr sein Hab und Gut rechtzeitig abgesichert haben, kann Sie dennoch eine plötzliche Sturzflut überraschen.

In diesem Fall gilt:

● Versuchen Sie mit dem Kopf immer über Wasser zu bleiben.

● Treibende Gegenstände können Sie gefährlich verletzen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihren Kopf und Oberkörper schützen.

● Strecken Sie Ihre Beine flutabwärts, um Hindernisse abzuwehren.

● Vielleicht gelingt es Ihnen auch, sich irgendwo festzuhalten und aus dem Wasser zu klettern.

● Erreichen Sie so schnell wie möglich höhere Punkte: einen Felsen, eine Anhöhe oder einen Baum. Das kann Ihr Leben retten!

Nach der Flut

Wenn sich das Hochwasser zurückgezogen hat, ist noch keine Entwarnung gegeben. Denn auch dann noch ist größte Vorsicht geboten. Denn das Fundament oder das Dach Ihres eigenen Hauses können so beschädigt sein, dass ein Betreten lebensgefährlich ist. Dies sollte zunächst überprüft werden.

Mein Tipp: Fassen Sie elektrische Anlagen, Stromschalter und den Sicherungskasten nicht mit Ihren bloßen Händen an. Gummihandschuhe und ein Besenstil können Sie vor einem Stromschlag schützen. Lassen Sie nasse Geräte unbedingt ausgeschaltet.

Was viele vergessen: Die »Entwässerung« vollgelaufener Räume sollte nicht zu schnell geschehen. Denn auch dies kann die Stabilität Ihres Hauses erheblich beeinträchtigen.

Mein Tipp: Schaufeln oder pumpen Sie deshalb täglich nur etwa ein Drittel der Wassermenge ab.

»Autoflucht« ist gefährlich

Auch eine Flucht mit Ihrem Auto kann gefährlich für Sie sein. Denn bereits bei 15 Zentimeter Wasserhöhe sind die meisten Fahrzeuge nicht mehr zu kontrollieren oder der Motor »säuft« ab. Ab einem Pegelstand von 60 Zentimetern werden Autos einfach weggeschwemmt.

Das treibende Fahrzeug kann so zu einer tödlichen Falle werden, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Schnell steigendes Wasser im Innenraum kann zum Ertrinken führen oder das Auto kann an einem Hindernis zerschellen.

Mein Tipp: Verlassen Sie Ihr Fahrzeug schon bevor Wasser eindringen kann. Ein Auto ist nicht so wichtig wie Ihr Leben!

Hochwasser Schutz: Was Sie sonst noch tun können

Zu den obligatorischen Sandsäcken, die Türen, Fenster und Keller schützen, sollten Sie auch an Lebensmittelvorräte und eine autarke Stromversorgung denken.

Zudem ist es hilfreich, Ihren Versicherungsschutz auf Hochwasser- Katastrophen zu prüfen. Übernehmen die Elementarschadensversicherung, die Wohngebäudeversicherung und die Hausratsversicherung Schäden durch Hochwasser? Wie sieht es mit Ihren Autos und Motorrädern aus? Zahlt Ihre Teil- oder Vollkaskoversicherung in diesem Fall? Wenn die Assekuranz sich weigert oder wenn Sie gar keinen Versicherungsschutz haben, bleibt Ihnen nur noch die magere Hoffnung auf die Hilfsprogramme von Bund und Länder. Die Schäden sollten aber auf jeden Fall durch Fotos oder Videoaufnahmen dokumentiert werden.

Mein Tipp: Schäden an der eigenen Immobilie können in der Steuererklärung als »außergewöhnliche Belastung« angesetzt werden. Hier entscheiden die Finanzämter aber unterschiedlich. Die Rücksprache mit einem Steuerberater ist auf jeden Fall sinnvoll.

Bei extremen Hochwasser könnte sogar die Lebensmittel-Beschaffung eingeschränkt sein. Sorgen Sie vor – und zwar mit dem richtigen Vorrat: Notvorrat anlegen – Was Sie zuhause bunkern sollten!

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