Liebe Leser, wir haben uns ja – siehe hier – schon einmal mit der extrem prekären Lage in Sachen Wasser in Chile beschäftigt. Schon vor der Corona-Krise war ja hier die Lage – wohlwollend formuliert – angespannt. Wie dramatisch wird die Trockenheit 2020?

Trockenstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen 

Jetzt stecken wir ja alle mitten in der Corona-Pandemie. Und das trifft die Menschen in Chile umso härter. Mitten in der Corona-Pandemie erlebt Chile das trockenste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders betroffen ist die Region Valparaíso. Und allen voran leiden hier die Gemeinden Petorca, Cabildo und La Ligua. Hier ist die Wasserknappheit so extrem geworden, dass die Bewohner momentan mit Wassertanks versorgt werden. Sie erhalten weniger als 50 Liter Wasser pro Tag, was dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Minimum entspricht. 

trockenheit 2020
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Trockenheit 2020: Hygienemaßnahmen fallen unter den Tisch 

Leider ist es so, dass diese Menge nicht ausreicht, um minimale Hygienemaßnahmen zur Bewältigung der Gesundheitskrise zu ergreifen. Häufiges Händewaschen, Sanitäranlagen im eigenen Haushalt oder die Desinfektion von Gemeinschaftsplätzen – das alles ist hier nur schwerlich möglich, meint zumindest das chilenische Menschenrechtsinstitut (INDH) . Das Institut geht sogar so weit, aus diesem Grund eine Verfassungsbeschwerde einzureichen. Der Staat erfülle seine Aufgabe der Wasserversorgung nur unzureichend und gefährde somit das Menschenrecht auf Leben sowie auf physische und psychische Integrität, so das Institut in seiner Begründung. 

100.000 Menschen leiden 

Bereits seit mehreren Monaten deklariert das zuständige Ministerium zunehmend Gemeinden als Zonen, die unter Wasserknappheit leiden. Mehrere 100.000 Personen seien davon bereits betroffen. Von verschiedenen Seiten werde immer wieder kritisiert, dass nicht allein der Klimawandel an der aktuellen Situation schuld sei. Insbesondere die Landwirtschaftsindustrie, wie beispielsweise der vor allem für den Export bestimmte Avocadoanbau, aber auch der Bergbau verbrauchen große Mengen von der knappen Ressource, während das Wasser Kleinbauern und Bewohnern nicht ausreichen würde. 

Chile gilt weltweit als eines der Länder mit der höchsten Privatisierungsrate bei Wasserressourcen und -versorgung. Dies geht auf ein Gesetz aus den 1980er Jahren und die Verfassung zurück, als während der Militärdiktatur der Privatbesitz von Wasser abgesichert wurde. 

Ja, das Thema Wasserknappheit trifft nich nur Chile. Auch in deutschen Landen wird Wasser knapp. Mehr dazu morgen.

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