BBK informiert Bundestag über Ergebnisse der Risikoanalyse 2019

Lesedauer: 3 min | Von: Louisa Lehmann

Es ist früher Vormittag an einem gewöhnlichen Arbeitstag und viele Menschen befinden sich auf dem Weg zur Arbeit. Auch Schulen und Kindergärten haben bereits geöffnet, als ohne Vorwarnung starke Erderschütterungen den Alltag unterbrechen. Das Beben trifft die Menschen völlig unerwartet. Nach einigen Sekunden enden die Erschütterungen: Sie hinterlassen verheerende Schäden.

Die möglichen Folgen eines schweren Erdbebens in der Niederrheinischen Bucht sind Thema der aktuellen Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz. Jedes Jahr wird unter der Federführung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) eine Analyse erarbeitet, zwischen verschiedenen Bundesministerien abgestimmt und im Anschluss dem Bundestag vorgelegt. Die Erdbeben-Analyse ist jetzt als Drucksache des Bundestages (Nr. 19/23825) veröffentlicht worden.

Analyse listet auch Handlungsbedarf auf

„Unsere Risikoanalyse zeigt, womit wir im schlimmsten Fall rechnen müssen, wie dann reagiert werden könnte und welche vorbereitenden Maßnahmen schon heute getroffen werden sollten. Unser Ziel ist es, den Experten, die für den Ernstfall auf verschiedensten Ebenen Vorsorge treffen müssen, ein durchdachtes Szenario als Arbeitsgrundlage zu bieten“, sagt Armin Schuster, Präsident des BBK. „Zu unserem Auftrag gehört es, auch das scheinbar unmögliche zu durchdenken, so dass auch in schweren Krisen oder bei extremen Ereignissen möglichst keine Menschen zu Schaden kommen. Das ist vor allem für Ereignisse, die wie ein Erdbeben ohne Vorwarnung eintreffen, eine ganz besondere Herausforderung für die Planungen.“

Die Niederrheinische Bucht rund um Köln zählt zu den Regionen in Deutschland mit einer verhältnismäßig hohen Erdbebengefährdung. Vielen Betroffenen ist noch das Erdbeben bei Roermond 1992 gegenwärtig. Noch heute erinnern Schäden und Risse in Gebäudefassaden an dieses Ereignis. Auch in 2020 hat die Erde rund um Köln einige Male leicht gebebt; in der Niederrheinischen Bucht muss immer wieder damit gerechnet werden. Gleichzeitig sollte die Analyse nicht als Prognose missverstanden werden, mahnen die Autorinnen und Autoren des Papiers: Ob und wann ein solches Ereignis tatsächlich so oder in vergleichbarer Form eintritt, ist grundsätzlich nicht vorhersagbar.

Fachleute aller föderaler Ebenen und Wissenschaft an Bord

Die fachliche Grundlage zur Risikoanalyse „Erdbeben“ lieferten die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und das Deutsche Geo-Forschungszentrum (GFZ). Insgesamt waren mehrere Fachbehörden des Bundes, Vertreterinnen und Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und Wirtschaft an der Analyse beteiligt. Erstmals waren 2019 mit dem Innenministerium Nordrhein-Westfalen, dem Geologischen Dienst NRW, der Bezirksregierung Köln, der Stadt Köln sowie dem Rhein-Erft-Kreis alle politisch-administrativen Ebenen vertreten und einbezogen.

Was ist die bundesweite Risikoanalyse und wie wird sie erstellt?

Die Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz auf Bundesebene beschäftigt sich vorsorglich mit möglichen Gefahren, die ganz Deutschland betreffen können. Welche Auswirkungen auf die Bevölkerung, ihre Lebensgrundlagen und die öffentliche Sicherheit und Ordnung sind zu erwarten? Fachleute legen dafür ein denkbares Extremereignis zugrunde. So sind auch die Annahmen der aktuellen Untersuchung für die Niederrheinische Bucht extrem, aber dennoch denkbar. Die Ergebnisse der Analyse sollen als Informations- und Entscheidungsgrundlage dienen. Sie ermöglichen Vorsorge und Planung, die sich an Risiko und Bedarf orientieren. Für die konkrete Entscheidung darüber, ob und welche Maßnahmen getroffen werden sollen, um Schäden zu vermeiden und zu minimieren, bedarf es einer fachlichen und auch einer politischen Risikobewertung.

 

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